Hintergrund

Im Jahr 2010 sorgte die Aufdeckung zahlreicher Fälle von sexualisierter Gewalt in pädagogischen Institutionen für eine umfassende Infragestellung des pädagogischen Feldes. Offenkundig hatten die Prozesse der Liberalisierung und Demokratisierung seit den 1960ern nicht ausgereicht, um Heranwachsende vor sexualisierter Gewalt in pädagogischen Einrichtungen zu schützen. Die Wahrung der sexuellen Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen war, so wurde deutlich, noch nicht genügend in Ausbildung und Ausübung pädagogischer Professionalität als Kernprinzip verankert. Es gab weiterhin Strukturen pädagogischer Interaktion, Organisation und Konzeption, die das Auftreten von sexuellen Grenzverletzungen, Übergriffen und Gewalt ermöglichten oder beförderten. Fragen rund um die Gestaltung von Nähe und Distanz, um den Stellenwert von Intimität sowie um die biographische Entwicklung einer professionellen Haltung waren noch nicht ausreichend bearbeitet und verdienten wissenschaftliche Aufmerksamkeit.

Die Juniorprofessur „Professionsethik mit dem Schwerpunkt Sexualität und Macht in Schule und Sozialer Arbeit“ widmete sich vor diesem Hintergrund der Etablierung eines Verständnisses von pädagogischer Professionalität, welche die ethische Auseinandersetzung mit Sexualität und Macht als wesentlichen Aspekt pädagogischer Praxis etabliert und institutionalisiert. In Forschung, Lehre und Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis wurde Wissen geschaffen und verbreitet, welches pädagogischen Fachkräfte und Institutionen darin stärkt, eine Kultur der Achtsamkeit zu schaffen und die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen zu wahren. Mit dieser Tagung sollen die Ergebnisse dieser Arbeit vorgestellt und das Gespräch über aktuelle Themen in Bezug auf Sexualität, Macht und Gewalt in pädagogischen Kontexten ermöglicht werden.

Aufgrund der räumlichen Möglichkeiten sind die Plätze begrenzt. Sie können sich bis zum 30. September 2019 zur Tagung unter der eMail-Adresse tagungprofessionsethik@uni-kassel.de anmelden.